E-Rezept Einführung in Deutschland: Gematik App und mehr!

Inhaltsverzeichnis

Die überfällige E-Rezept Einführung am 01.01.2022 bringt Vorteile für alle Beteiligten mit sich. Patienten können per App die Verfügbarkeit der verschriebenen Medikamente schon vor Abholung/Lieferung in der gewünschten Apotheke anfragen, Arztpraxen werden entlastet, da Folgerezepte zukünftig keinen Arztbesuch mehr voraussetzen und Online-Apotheken erwarten eine starke Umsatzsteigerung. Wie das elektronische Rezept funktioniert, welche App man herunterladen muss, ob es auch ohne Smartphone eingelöst werden kann und noch mehr erfahren Sie hier!

Update: Die E-Rezept Einführung wurde verschoben und ist somit nicht zum 01.01.2022 verpflichtend zu nutzen. Die KBV, in persona Dr. Thomas Kriedel, fordert einen Aufschub von mind. 6 Monaten, also 1. Juli 2022, noch besser 1 Jahr.

Arzt bei der Nutzung einer E-Rezept App.
Das E-Rezept wird in Deutschland am 01.01.2022 für gesetzlich Versicherte eingeführt. (RX ist die internationale Abkürzung für verschreibungspflichtige Arzneimittel)

Erklärung: Was ist ein E-Rezept?

Ein E-Rezept ist ein elektronisches Rezept für (zunächst) apothekenpflichtige Arzneimittel, das vom Patient hauptsächlich per App bei jeder Apotheke eingelöst werden kann. Als digitale Alternative soll es die 500 Mio. Papierrezepte pro Jahr ersetzen.

Das E-Rezept wird vom Arzt ausschließlich digital erstellt und signiert. Der QR-Code (Token) kann jedoch auch ausgedruckt werden, sodass Rezeptempfänger ohne App-Zugang dieses ebenfalls einlösen können.

Der Gematik GmbH wurde die Konzeptausarbeitung für Spezifikationen und Zulassungsverfahren rund um die Einführung des elektronischen Rezeptes vom Bundesministerium für Gesundheit anvertraut. Dieser Auftrag beinhaltet überdies die Entwicklung einer zentralen E-Rezept-App.

Das E-Rezept für Deutschland kommt! Aber ab wann?

Die verpflichtende E-Rezept Einführung für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland findet zum 01.01.2022 statt, die freiwillige Nutzung hingegen erfolgte bereits am 01.07.2021. Rechtliche Grundlage dafür schuf das am 20.10.2020 in Kraft getretene “Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (Patientendaten-Schutz-Gesetz – PDSG)”.

  • 01.07.2021: freiwillige E-Rezept Anwendung für Testteilnehmer in Berlin-Brandenburg.
  • 01.10.2021: bundesweit als freiwillige Anwendung, wenn die technischen Anforderungen erfüllt sind
    • Diese Frist wurde auf den 01.12.2021 verschoben. Ab diesem Stichtag können PVS-Hersteller (Praxisverwaltungssystem) und Krankenkassen das E-Rezept bundesweit testen.
    • Das Pilotprojekt in Berlin-Brandenburg wurde bis zum 31.11.2021 verlängert.
  • 01.01.2022: verpflichtende Anwendung für alle Vertragsärzte und Patienten

Ab wann die E-Rezept Einführung tatsächlich real wird, bleibt fraglich. Es bestehen noch technische Probleme seitens der Software-Häuser und Apothekenrechenzentren, da diese die E-Rezept Datensätze noch nicht abrechnen können. Hinzu kommt, dass “trotz des mehrfachen Angebots bisher nur vier Praxisverwaltungssysteme an der Testphase teilgenommen [haben], obwohl der Marktanteil der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifizierten Praxisverwaltungssysteme bereits bei 94 Prozent liegt.”, so die Gematik. Die aktive Teilnahme seitens der Krankenkassen ist ebenfalls sehr gering, denn nur die AOK Nordost und IKK BB sind mit dabei. Zwar soll das elektronische Rezept nach wie vor am 01.01.2022 gesetzlich verpflichtend eingeführt werden, doch ein Fortbestehen des klassischen Muster-16-Rezeptes ist möglich, wenn Arztpraxen dazu technisch nicht in der Lage sind.

Die Gesellschafter der Gematik sehen die E-Rezept Einführung zum geplanten Stichtag in Gefahr, da die Testphase nicht zufriedenstellend verlaufen ist:

  • Mind. 1000 E-Rezepte sollten für einen bundesweiten Rollout erfolgreich ausgestellt und abgerechnet werden. Am 01.12.2021 waren es jedoch nur 42.
  • Die geplante Anzahl an teilnehmenden Systeme, (Zahn-) Arztpraxen und Apotheken, ist nicht erreicht worden.
  • Die geplante Anzahl an teilnehmenden Krankenkassen ist nicht erreicht worden.
  • Es hat kein Krankenhaus an der Testphasen teilgenommen.

Vertreter der Heilberufsangehörigen appellieren an den Gesetzgeber, dass die Einführung des digitalen Rezeptes erst nach einer erfolgreichen Testphase mit nachgewiesener Praxistauglichkeit erfolgen sollte. Die geplante E-Rezept Frist wird sehr wahrscheinlich nicht scheitern, doch ob alle technischen Abläufe im Praxisalltag korrekt funktionieren werden, ist unklar.

Stufenweise E-Rezept Einführung: apothekenpflichtige Arzneimittel, Heilmittel, Betäubungsmittel und weitere

Derzeit werden noch Papierrezepte ausgestellt: das rote Kassenrezept, das grüne OTC-Rezept, das blaue Privatrezept, das gelbe BTM- Rezept und das weiße T-Rezept. All diese Rezept-Typen werden durch das digitale E-Rezept ersetzt werden. Dieser Prozess vollzieht sich über mehrere Stufen.

Die stufenweise E-Rezept Einführung
Stufe Bestandteile Wer profitiert davon?
Einführungsphase 2021
  • erstmalige Verordnung und Einlösung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln für GKV-Versicherte
    • Verordnung von Fertigarzneimitteln mit PZN
    • Wirkstoffverordnung
    • Rezepturen
    • Freitextverordnung
  • GKV-Versicherte
  • Ärzte und Zahnärzte in Praxen und Krankenhäusern
  • öffentliche Apotheken
  • EU-Versandapotheken
E-Rezept 2022
  • Integration von Privatversicherten
  • Zytostatika-Verordnungen
  • Veröffentlichung der Spezifikation für Mehrfachverodnungen
  • GKV-Versicherte (verpflichtend)
  • PKV-Versicherte mit eGK (freiwillig)
  • Krankenhäuser
E-Rezept 2023
  • Verordnungen für Betäubungsmittel und T-Rezepte
  • Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
E-Rezept 2024
  • Verordnung häuslicher Krankenpflege (2024),
  • Verordnung außerklinischer Intensivpflege (2024),
  • Verordnung Soziotherapie (2025),
  • Verordnung Heil- und Hilfsmittel (2026),
  • Verordnungen von Verbandmitteln und Harn- und Blutteststreifen (2026)
  • Verordnungen von Medizinprodukten (2026)
  • Verordnungen von bilanzierten Diäten zur enteralen Ernährung (2026)
  • Erbringer von Leistungen häuslicher Krankenpflege und außerklinischer Intensivpflege
  • Erbringer von Leistungen der Soziotherapie
  • Erbringer von Leistungen zu Heilmitteln und Hilfsmitteln
  • Psychotherapeuten

Wie funktioniert das E-Rezept?

Infos für Patienten

An dem krankheitsbedingten Gang zur Arztpraxis wird sich nichts ändern, außer man wählt die Videosprechstunde. Bei der Verschreibung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln wird künftig nicht mehr das rosa Papierrezept, sondern das E-Rezept ausgestellt. Dieses wird vom Arzt digital und fälschungssicher an den Patienten ausgestellt, sowie automatisch in der Telematikinfrastruktur, dem digitalen Gesundheitsnetz, gespeichert.

So funktioniert das E-Rezept.
So funktioniert das E-Rezept | © medizintechnikmarkt.de

Das erstellte E-Rezept kann nun in der “Das E-Rezept App” von der Gematik GmbH aufgerufen werden. Die offizielle Website zur Gematik E-Rezept-App finden Sie hier. Die passenden Download-Links für Ihr Android, Apple oder Huawei-Smartphone oder Tablet finden Sie hier:

Damit die eigene Identität in der E-Rezept App bestätigt werden kann, wird neben einem nfc-fähigen Smartphone oder Tablet auch eine nfc-fähige elektronische Gesundheitskarte benötigt. Zudem muss ein PIN von der Krankenkasse angefordert werden.

Alternativ zur App-Nutzung kann das Rezept in der Arztpraxis auch als QR-Code ausgedruckt werden. Bei der Abholung der Medikamente in der Apotheke muss der QR-Code entweder in der E-Rezept-App oder als ausgedrucktes Rezept, vorgezeigt werden. Erst nachdem der QR-Code erfolgreich vom Apotheker gescannt worden ist, erfolgt die Arzneimittelausgabe. Das verschriebene Arzneimittel kann bei der Apotheke auch vorbestellt werden, sodass man es ohne längere Wartezeit abholen kann. Ebenso möglich ist die Arzneimittellieferung per Lieferdienst oder das Bestellen in einer Online-Apotheke. Können Sie als Patient das E-Rezept nicht einlösen, da Sie bspw. zu krank sind, dann kann es auch an einen Angehörigen übergeben werden, der die benötigten Arzneimittel für Sie abholt. Vor allem in der Videosprechstunde bringt das elektronische Rezept dank digitaler Ausstellung großen Nutzen mit sich, da der kranke Patient zu Hause bleiben kann und weder zum Arzt noch zum Apotheker muss.

Info: Möchten Sie als Patient die Gematik direkt kontaktieren und weitere Informationen einholen, dann können Sie diese unter der 0800 277 3777 von 8:00 bis 20:00 Uhr erreichen.

Infos für den Arzt

Die E-Rezept Einführung am 01.01.2022 wird die Arbeitsabläufe in Ihrer Arztpraxis sowie die Patientenversorgung effizienter gestalten, so die Theorie. Dass es derzeit noch viele technische Hürden gibt, kennen wir von der Telematikinfrastruktur. Im Kern werden jedoch alle relevanten Akteure beim Medikamentenausgabeprozess (Patient, Arzt und Apotheker) durch das elektronische Rezept sicherer und näher zusammengebracht. Im Zusammenspiel mit dem E-Medikationsplan wird infolgedessen eine lückenlose Medikamentendokumentation möglich. Die telemedizinische Videosprechstunde und der Online-Kalender für die Arztpraxis sind überfällige Meilensteine für den Weg Richtung digitale Praxis.

Wenn Sie ein E-Rezept ausstellen, werden folgende Arbeitsschritte durchlaufen:

  1. Die Verordnung des Arzneimittels findet nach wie vor über Ihr Primärsystem (Arztsoftware, Zahnarztsoftware oder Krankenhausinformationssystem) statt.
  2. Das E-Rezept wird mit Ihrem eHBA elektronisch signiert. Nach Eingabe der elektronischen Unterschrift werden alle relevanten Informationen in der Telematikinfrastruktur verschlüsselt abgespeichert, sodass die Apotheke bei der Medikamentenausgabe darauf zugreifen kann.
  3. Der Patient erhält den Rezeptcode von Ihnen entweder per Übermittlung an die E-Rezept App oder als Papierausdruck.

Das E-Rezept kann Ihre während der Erkältungszeit ohnehin schon überlaufene Arztpraxis, die zudem erschwerte Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie erfährt, entlasten. Künftig soll es möglich sein, dass Folgerezepte elektronisch ausgestellt werden können, ohne dass der Patient in die Praxis kommen muss.

Infos für die Apotheke

Die Herausgabe von Arzneimitteln durch ein E-Rezept ist für die Apotheke relativ simpel:

  1. Der Patient zeigt das E-Rezept entweder per App oder ausgedrucktem Rezeptcode in der Apotheke vor. Die Verfügbarkeit der betreffenden Medikamente kann vom Patienten schon vor Eintritt in die Apotheke abgefragt werden. Die Apotheke teilt anschließend mit, ob das Medikament vorrätig ist und wann es abgeholt werden kann.
  2. Nachdem das E-Rezept Ihrer Apotheke zugewiesen bzw. von Ihnen gescannt worden ist, werden die Rezeptdaten von der Telematikinfrastruktur automatisch in Ihr Warenwirtschaftssystem übermittelt. Das Einscannen des Rezepts ist nicht mehr notwendig. E-Rezepte können auch von Angehörigen des Patienten eingelöst werden.
  3. Herausgabe der Medikamente vor Ort, per Botendienst oder Versand.
  4. Digitale Signatur und Weitergabe der Informationen des herausgegebenen Arzneimittels an das Abrechnungszentrum.

Wie sieht ein E-Rezept aus?

Das Aussehen des E-Rezeptes ähnelt dem alten Papierrezept, doch gibt es einen wesentlichen Unterschied: neben der digitalen Verordnung ist auf dem E-Rezept ein QR-Code aufgedruckt. Dieser scanbare QR-Code enthält alle wesentlichen Informationen zum benötigten Arzneimittel.

Optisches Aussehen des ausgedruckten E-Rezeptes
Das optische Aussehen des ausgedruckten E-Rezeptes | © kbv.de

Komfortabler als ein ausgedruckter Rezeptcode, ist das digitale Rezept auf dem Smartphone oder Tablet. Im nachfolgenden Video sehen Sie das Aussehen der E-Rezept App.

E-Rezept App Anbieter

Es gibt verschiedene E-Rezept App Anbieter, wobei der Gesetzgeber den Krankenkassen keine Beteiligung eingeräumt hat! Elektronische Rezepte können nur mit der App der Gematik bei Apotheken eingelöst werden, andere Apps sind gesetzlich nicht zugelassen. Die Monopolstellung der Gematik wird von Krankenkassen und Apotheken kritisiert. Walter Hess, Chief Executive Officer der Versandapotheke Doc Morris, ist sich jedoch sicher, dass es neben der Gematik-App auch weitere Anbieter geben wird.

Die infrastrukturelle Grundlage für andere E-Rezept Anbieter schuf das Projekt eines Krankenkassen-Bündnisses namens “eRezept Deutschland”. Die Einlösung von E-Rezepten aus diesem Projekt ist allerdings nur noch bis zum 31.12.2021 möglich. Die Gründer dieses Projektes stellen Ihren Versicherten jeweils eine eigene App zur Verfügung:

Neben der bis dato rechtlichen Unsicherheit bei den genannten E-Rezept Anbietern, tut sich entgegen der Monopol-App der Gematik jedoch eine rechtlich sichere Lücke auf: Drittanbieter-Apps dürfen den ausgedruckten E-Rezept-Token einlesen und auch ohne Authentifizierung der Nutzer weiterleiten. Es wird gemutmaßt, dass der Anteil der Patienten, die sich den Rezeptcode in der Arztpraxis ausdrucken lassen, noch lange bei um die 90 % liegen bleiben wird. Der hohe Anteil lässt sich damit begründen, dass sich der Versicherte bei der Nutzung der Gematik App umständlich über eine elektronische Gesundheitskarte mit NFC-Funktion authentifizieren muss.

Vorteile, Nachteile und Kritik

Die größten E-Rezepte Vorteile sind vor allem auf die Substitution der Papierzettel zurückzuführen. Aufgrund des Wegfalls der Papierzettel-Archivierung bringt das Kosteneinsparungen mit sich und Portokosten im Zuge eines Rezeptversands entfallen ebenfalls. Da Papier eingespart wird, kommt dies auch der Umwelt zugute.

Praktisch ist, dass man die benötigten Medikamente per E-Rezept vor Abholung oder Lieferung bei der gewünschten Apotheke auf Verfügbarkeit prüfen kann. Der Patient spart sich dadurch doppelte Wege und Zeit. Wird nur ein Folgerezept benötigt, dann spart man sich einen weiteren Weg und zwar den Arztbesuch.

Weiter wird Rezeptbetrug entgegengewirkt, da die Fälschung eines E-Rezeptes deutlich schwieriger ist, als die eines herkömmlichen. Das Retaxationen, Form- und andere Übertragungsfehler vermieden werden, da die E-Rezept App keine unleserliche Handschrift oder schlechte Druckqualität enthält, ist ein weiterer Vorteil.

Werden die verschriebenen Medikamente in den elektronischen Medikationsplan des Patienten eingetragen, dann kann der Apotheker beratend eingreifen, indem er auf potenziell gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten hinweist.

McKinsey errechnete für die E-Rezept Einführung in Deutschland ein Einsparpotenzial von 900 Mio. Euro pro Jahr. Man bedenke, dass das Digitalrezept nur ein Baustein der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist. Insgesamt beziffert McKinsey das Einsparpotenzial auf 34 Mrd. Euro. Dem entgegenzuhalten sind auf der anderen Seiten natürlich hohe Investitionskosten. Ein häufig genannter Nachteil ist die Behauptung, dass primär die Krankenkassen vom Digitalrezept profitieren würden. Dieses Argument widerlegt McKinsey und errechnet eine Nutzenverteilung von 70 % für Leistungserbringer (Ärzte, Krankenhäuser usw.) und 30 % für Akteure des Systems (Krankenkassen usw.).

Vom E-Rezept werden viele Akteure profitieren, in finanzieller Hinsicht erhoffen sich allerdings vor allem die Online-Apotheken große Vorteile. Ulrich Wandel, Finanzchef von Shop Apotheke, bezeichnet das E-Rezept als “Game Changer” und rechnet damit, dass sich der “Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten um den Faktor vier oder fünf erhöhen wird”.

Auf der anderen Seiten bringt das E-Rezept auch einige Nachteile mit sich. Der Missbrauch von gespeicherten Rezeptdaten kann nicht ausgeschlossen werden und eine stabile Internetleitung wird vorausgesetzt. Fällt der Strom oder das Internet aus, dann ist eine Verschreibung per E-Rezept App nicht möglich.

Für Datenschutzkritiker ist das E-Rezept ein weiterer Schritt hin zum “gläsernen Patienten”. Sensible Rezeptdaten werden auf einem zentralen Server gespeichert. Wer hat Zugang auf den Server? Zumindest ist durch den QR-Code von Außen nicht ersichtlich, um welche Medikamente es geht, doch das weiß noch nicht mal der Patient selbst. Was der Arzt tatsächlich verschrieben hat, erfährt er erst in der Apotheke.

Vorteile, Nachteile und Kritik vom E-Rezept
Vorteile Nachteile
organisiertes Rezeptmanagement, da die “Zettelwirtschaft” ersetzt wird. Missbrauch von gespeicherten Rezeptdaten möglich
keine doppelten Wege zu verschiedenen Apotheken mehr, da vorherige Abfrage der Medikamenten-Verfügbarkeit und Zeit der Abholung/Lieferung ermöglicht wird eine stabile Internetleitung wird vorausgesetzt
Reduzierung von Formfehlern, Retaxationen und anderen Übertragungsfehlern (keine unleserliche Handschrift, keine schlechte Druckqualität) hohe Investitionskosten für das gesamte Gesundheitssystem sind notwendig (Telematikinfrastruktur)
Medikamentenverschreibung wird durch das E-Rezept auch in einer Videosprechstunde möglich Patient kann den E-Rezept-Token nicht entschlüsseln und kann nicht überprüfen, was der Arzt verschrieben hat
Kosteneinsparungen, da Papierrezept-Archivierung entfällt Datenschutz: Patient wird zum “gläsernen Patienten”
Wegfall von Portokosten für den Rezeptversand altes Papierrezept-System muss aufrechterhalten werden, damit im Falle eines Ausfalls der IT-Systeme Rezepte ausgestellt werden können
für Folgerezept bedarf es bald keinen Arztbesuch mehr der Zeitvorteil bei der Nutzung der elektronische Signatur ggü. der herkömmlichen Unterschrift wird bezweifelt
umweltfreundlicher, da (theoretisch) keine Papierrezepte notwendig sind  
Rezeptbetrug durch Fälschungen werden mithilfe digitaler Merkmale erschwert  
Verschriebene Medikamente können in den elektronischen Medikationsplan eingepflegt werden. Der Patient kann so vom Apotheker über potenziell gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten aufgeklärt werden.  
erhöhte Einnahmen für Apotheken, vor allem Online-Apotheken  

Das E-Rezept im Europa-Vergleich: Wie schneidet Deutschland ab?

Im E-Rezept Europa-Vergleich kann Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Staaten als Nachzügler bezeichnet werden. Während es in Deutschland erst am 01.01.2022 zum Standard werden soll, war es im Jahr 2017 vor allem in den nordeuropäischen Ländern (u. a. Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden) schon weit verbreitet. Zu seiner Zeit noch weit entfernt vom E-Rezept waren Serbien, Luxemburg, Bulgarien und Albanien. Diese Ergebnisse hat man im Rahmen einer Befragung im Euro Health Consumer Index 2017 festgestellt. Zwischen diesen Ländern gibt es jedoch Unterschiede bzgl. des Entwicklungsstandes.

In einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die aus September 2019 stammt, wurde das E-Rezept auf internationaler Ebene (nicht nur Europa) analysiert. Es wurde ein Vergleichsindex zwischen 17 Ländern erstellt, der den Stand der Entwicklung und Implementierung von E-Rezept-Systemen (Verordnung, Dispensation und Report) sowie einer E-Medikationsliste untersucht. Gruppe 1 enthält die am weitest entwickelten Länder in Sachen E-Rezept, Gruppe 3 hingegen hat kein (verpflichtendes) E-Rezept System.

Das E-Rezept in Europa im Länder-Vergleich
Gruppe Länder Besonderheiten
1
  • Australien
  • Belgien
  • Dänemark
  • Estland
  • Portugal
  • Schweden
sowohl übergreifende nationale E-Rezept-Systeme als auch E-Medikationslisten, die in der Regel mit einer nationalen elektronischen Patientenakte verbunden sind
2
  • Israel
  • Italien
  • Kanada
  • NHS England
  • Spanien
  • Frankreich
  • Niederlande
regionale bzw. teilweise verfügbare E-Rezept-Systemen oder E-Medikationslisten
3
  • Österreich
  • Polen
  • Schweiz
  • Deutschland
kein E-Rezept System

Da die Studien nicht aktuell sind, hier ein paar Updates, zu ausgewählten Ländern:

  • in Polen sind Apotheken bereits seit Januar 2019 dazu verpflichtet, E-Rezepte zu akzeptieren
  • in Österreich können ärztliche Verschreibungen (Rezepte) nach telefonischer Kontaktaufnahme mit dem Arzt für die Dauer der Coronakrise via ELGA direkt an die Apotheke weitergeleitet werden (de facto aber kein E-Rezept)

In punkto Versandhandel von rezeptpflichtigen, nicht verschreibungspflichtigen (OTC) oder frei verkäuflichen Präparaten ist Deutschland in Europa allerdings vorne mit dabei. Der Versandhandel mit Arzneimitteln hat sich in Deutschland, sowie in Österreich, in den Niederlanden, in Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Estland, Litauen, Großbritannien und Portugal bereits etabliert. Große Online-Apotheken wie Shop Apotheke oder DocMorris sind bestens auf das E-Rezept vorbereitet. Konträr dazu wird der Versand von OTCs, nicht apothekenpflichtigen Medikamenten und Medizinprodukten in Spanien, Griechenland, Frankreich, Lettland, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und weiteren Balkanstaaten eingeschränkt. In Albanien, Bosnien, Montenegro, Serbien, Kroatien, Rumänien dürfen sogar nur nicht apothekenpflichtige Produkte über das Internet bestellt werden.

FAQ

Kann das E-Rezept ohne Smartphone eingelöst werden?

Ja, das E-Rezept kann ohne Smartphone und ohne App eingelöst werden. In der Arztpraxis haben Sie die Möglichkeit, sich ein ausgedrucktes E-Rezept mit QR-Code ausstellen zu lassen. Das ausgedruckte E-Rezept kann anschließend in einer (Online-) Apotheke Ihrer Wahl eingelöst werden.

Gilt das E-Rezept auch für Privatversicherte?

Nein, ab 01.01.2022 erhalten Privatversicherte sehr wahrscheinlich noch kein E-Rezept. Die Gematik steht jedoch in engem Austausch mit den privaten Krankenkassen. Die Einführung von E-Privatrezepten soll jedoch laut Plan noch im Jahr 2022 erfolgen.

Wie lange ist ein E-Rezept gültig?

Das E-Rezept ist, genau so wie das alte Papierrezept, bis zu 1 Monat gültig. Ob es nun 28 oder 30 Tage sind, ist von der Krankenversicherung und vom Bundesland abhängig. Die Fristen, wie lange es mit Bezuschussung durch die Krankenversicherung und wie lange noch als Privatrezept (Selbstzahler) eingelöst werden kann, wird in der E-Rezept App der Gematik angezeigt.

E-Rezept ohne Arztbesuch ausstellen lassen möglich?

Ja, es ist möglich, dass ein E-Rezept ohne Arztbesuch ausgestellt werden kann. Dies betrifft jedoch nur Folgerezepte. Es ist geplant, dass im Rahmen einer Videosprechstunde E-Rezepte ausgestellt werden können. Die Videosprechstunde kann digital von zu Hause aus abgehalten werden, sodass ein physischer Arztbesuch nicht notwendig ist.